Allein unter Mädels – oder: wie Thiemo aus Versehen zum Gunthard werden musste

„Sonnig begann es zu tagen, wir standen um sieben vor der Tür…“ oder besser gesagt auf der Baustelle. Mittlerweile war die Baumannschaft auf vier Leute zusammengeschrumpft. Unser einziger Mann begann recht bald unter der weiblichen Übermacht zu leiden, so dass er sich die gunthardsche Methodik im Umgang mit Frauen zu eigen machte und mit nachsichtigem Blick Anleitungen erteilte, ausgeführte Arbeiten kritisch beäugte und sich mitleidig lächelnd mit der weiblichen Unzulänglichkeit abfand.

Unter diesen Bedingungen erwies sich der Schalungsbau für den Ringanker als problematischer als erwartet. Es galt nämlich, von jeder Seite eine Bohle (vier Meter lang und sehr schwer) an der Mauer anzubringen – natürlich in Waage und in der richtigen Höhe – und das Ganze mit Schraubzwingen zu fixieren. Die Verschalung der Türstürze musste von unten in der exakt richtigen Höhe zwischen die Bohlen geschraubt werden. Um es noch mal anders auszudrücken: wir mussten eine perfekte Form für den Teig konstruieren, um am Ende einen perfekten Kuchen zu erhalten.

Nach dem Frühstück kam uns Lucas zur Hilfe, was das Händeln der Bohlen und Schraubzwingen ungemein erleichterte. Trotzdem blieb das genaue Ausrichten der Verschalung eine zeitraubende Angelegenheit.

Die Hitze auf der Baustelle war bereits am Vormittag kaum noch auszuhalten. Darum genehmigten wir uns nach dem Mittagessen eine längere Pause im Schatten eines Kirschbaumes im Obstgarten. Um halb vier mahnte unser Ersatzgunthard zum Weiterbauen und meinte, es sei doch schon gar nicht mehr so heiß – bis er aus dem Schatten in die Sonne trat.

Der am Vortag gegossene Ringanker musste hin und wieder befeuchtet werden, um Schwundrisse zu vermeiden: eine willkommene Abkühlung mit dem Wasserschlauch!

Es fehlten noch zwei Körbe für die Bewehrung, also machten wir uns auf zur Biegebank, knipsten zwei Stahlmatten in die richtige Größe, bogen sie an der Bank zu sogenannten Bewehrungskörben und verbanden sie mittels zwölfer Eisen und Rödeldraht miteinander. Der neue, ennobaustelleninterne Fachausdruck dafür: Körbchenflechten.

Dann ging es mit der Verschalung weiter, wobei wir uns aufgrund unseres Arbeitstempos langsam sorgten, ob das alles noch bis zum Feierabend zu schaffen war. Das Ausbetonieren musste unbedingt noch am heutigen Tage passieren, damit der Ringanker einen Tag aushärten kann, bis die Decke draufkommt. Die Rettung kam, indem Joker auf der Baustelle auftauchte. So ein Zimmermann hält die Bohlen ja quasi mit einer Hand und hat außerdem noch die passenden Ideen, um die Verschalung dichtzukriegen.

Das Abendessen verschoben wir einmütig auf wenn-wir-fertig-sind. Unsere Mägen füllten wir behelfsmäßig mit Kaffee, Kuchen und Wassermelone, die Verschalung hingegen im Akkord mit Beton. Das klappte wie am Schnürchen: Beton anrühren, auf Kübel verteilen, aufs Gerüst wuppen und in die Verschalung gießen, nebenbei ein neues Lied lernen – ein leuchtendes Beispiel für Frohsinn und Effizienz. Ja, das ist Eigenlob. Und ja, dazu stehen wir.

Im Lichte eines Baustrahlers (Mondscheinbetonieren ist förderlich für die Aura des Gebäudes) wurden um 23 Uhr die letzen Kübel mit Beton vergossen, der Ersatzgunthard sprach allen ein guntharduntypisches, weil aus mehr als einem Satz bestehendes Lob aus und dann war Feierabend. Letzte Bedürfnisse aller Beteiligten: essen, duschen, schlafen!

An dieser Stelle möchten wir eine Einladung aussprechen (und damit ganz unterschwellig zur Bauhütte locken): morgen wird die Decke aufgelegt, womit das Kellergeschoss fertiggestellt ist. Aus diesem Anlass laden wir zum Kellerfest mit Tanz und Gesang, Gegrilltem und selbstgemachter Bowle. Der Keller soll eingetanzt und eingesungen und anständig befeiert werden, also kommt zahlreich!

Es freuen sich auf Euch

Inken, Meike, Katja, Thiemo.

Bilder vom Tag gibt es in der >>>Fotogalerie<<<

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7 comments so far

  1. Hauke on

    Jaaaaaaaaaaaaaaaa!

  2. Schlumpf on

    Wann ist das Eintanzen? Am Mittwoch Abend?
    Oder am Freitag, das auch die arbeitende Bevölkerung aus der Ferne dabei sein kann?

  3. Gunthard on

    Thiemo: Gut so!

  4. Henk on

    Ich habe gerade die Nachricht bekommen, dass mein Praktikum jetzt doch erst am 15. Juli anfängt.
    So werde ich die Tage auch wieder mit auf die Burg kommen.
    Die ersten Hullerser VCPler wollen auch schon gleich morgen kommen.
    Damit wäre dann wohl der erste Platz unter den Erbauern für die nächste Zeit weiterhin in Hullerser Hand 😉

    • tolu on

      kafe!? 😉

      • kafe on

        nachdem ja tolu mich mehr oder wenig aufgefordert hat
        was dazu zu „sagen“ sag ich nur
        Henk bleib dran ich bin auch bald wieder auf der Burg

  5. Gerhild on

    Ach, wer da mittanzen könnte!…
    Es macht mich ganz verrückt, daß ich schon so viel von der Entwicklung „unseres Kleinen“ versäumt habe!!!


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