Lieber Onkel Enno

Lieber Onkel Enno,
heute wurden wir auf unterschiedliche Weise geweckt. Leider wurden wir nicht vom Gezwitscher der Vögel in einem Wald auf Großfahrt aus den Träumen gerissen, sondern von brummenden Rasierapparaten und der Nachricht, dass der Baustellenzaun versetzt werden müsse. Gerade die letzte Nachricht beglückte uns nur mäßig, da wir in den letzen Tagen schon gefühlte hunderttausend mal die Position des Bauzauns, um immer wieder nur wenige Meter verändert hatten. Die Nacht vorher war außerdem etwas zu kurz geraten, da die Vor- und Nachteile des Ordensprinzips und von Wolkenkarteikarten in Methodenkoffern bis in die frühen Morgenstunden diskutiert werden mussten. Daran siehst du lieber Onkel Enno, dass wiedereinmal ein Blumenstrauß der bündischen Jugend sich in den Schatten der Ludwigstein verirrt hatte, um gemeinsam den dritten Ring zu errichten. Diesmal machten sich fünf Unerschrockene daran die nächste Betonierung durch das Herstellen von Verschalungen vorzubereiten. Außerdem wurde wiedereinmal gemauert.
Nun bereits den dritten Tag in Folge. Die schwülwarme, feuchte Kelleratmosphäre forderte unsere sonst stetig vorhandene Begeisterung sehr heraus. Und es brauchte nicht nur eine Kanne Motivationskaffee um uns bei Laune zu halten. Die Verschalung war am frühen Abend fertig gestellt und auch die Mauer konnte wieder um einige Reihen Steine erhöht werden, als es die Erbauer zu einer Dusche und einem Abendessen in die Kernburg zog. Schon den ganzen Tage hatte es diverse Begegnungen mit Hochzeitsgesellschaften gegeben, die beim gemeinsamen Abendessen der Arbeiter ihren Höhepunkt finden sollten. Die Stimmung war gerade Dank des hervorragenden Essens der Burgküche gelöst, als vor dem Fenster ein Spielmannszug mit Sambarhytmen unsere Mahlzeit bereicherte und wir uns sofort wie im Spitzenrestaurant auf einem Clubschiff fühlten.
Lieber Onkel Enno die Anderen stimmen gerade die Gitarren. Du siehst uns also sicher nach, dass wir jetzt schnellstens diesen Bericht beenden müssen und weist uns in bester Laune und Gesundheit.
Deine Erbauer
PS: Was macht eigentlich Meike den ganzen Tag? Verwaltet sie uns oder pflegt sie ihre Kaffeetassen-Messi-Leidenschaft (siehe Baubüro :))? Wir sind uns sicher, dass sie auch heute einmal mehr den ganz normalen Bauwahnsinn gemanagt hat und wir sie deshalb auf der Baustelle vermissen mussten.
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1 comment so far

  1. Eva on

    Jezt habe ich so schön gelacht – danke auch dafür, ihr Erbauer. Ich wäre so gerne auf der Burg, nur mal zum Keller kehren oder so was ähnliches. Dieser Enno-Virus ist wirklich hartnäckig, hat hohes Suchtpotenzial – insbesondere sonntags kann ich kaum widerstehen.


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