Bauen für die Statistik

Wer hat nur diesen raffinierten psychologischen Glücksgriff getan und die Idee gehabt, die Bünde mit ihren geleisteten Erbauerstunden nach Anzahl geordnet regelmäßig zu veröffentlichen?
Da tolu gestern abend noch alle Stundenzettel ausgewertet hatte, konnten wir heute endlich den tatsächlichen Stand der Rangfolge einsehen, und für mich, die ich seit der ersten „Bündischen Bauwoche“ gespannt verfolge, wie lange sich die Deutsche Gildenschaft beispielsweise noch knapp vor dem Mädchenwandervogel Solveigh behaupten konnte, war schwer davon getroffen, daß wir nun auf den 12. Platz zurückgefallen waren, und das, obwohl die Solveigh-Stunden fast ausschließlich von Sigrid gesammelt werden und wir doch schon mit mehreren Leuten hier angerückt sind. Doch schlumpf konnte mich wieder aufmuntern, indem sie mir darlegte, daß die DG allein durch mein heutiges Tagespensum wieder emporspringen würde auf Platz 8 hinter den Weinbachern. Nun, das klingt doch schon viel besser!
So machte ich mich mit besonderem Eifer ans Werk und rannte nach dem Mittagessen ohne Pause sofort wieder an meine Arbeit, um am Abend besonders viele Stunden eintragen zu können. Es hatte angefangen zu nieseln – mein erster Regentag auf der Baustelle -, doch da ich außen mit meiner Spachtelei ohnehin bald fertig war, konnte ich mich in den Keller begeben und dort das Begonnene in verfeinerter Form fortführen: die Fugen zwischen den Deckenplatten waren zu verspachteln.
Kaum stand ich auf der Leiter, wurde ich von Klaus, unserem Maurermeister, der heute einmal wieder mit zwei Mann zu unserer Unterstützung angerückt war, energisch zurechtgewiesen: „Das ist Männerarbeit!“ – „Wieso?“ fragte ich. „Weil sonst die Frau kaputt ist, wenn der Mann abends nach Hause kommt!“ Obwohl ich traditioneller Rollenverteilung eigentlich gar nicht abhold bin, ließ ich mich diesmal nicht beeindrucken und führte mein Werk munter fort. Schließlich mußte es erledigt werden, und unsere drei „nichtprofessionellen“ Männer (Lucas, Richard und TV) waren damit beschäftigt, die Verschalung für das Fundament der Sommerküche zu bauen, was sich als rechte Tüftelarbeit erwies, die sie ganztägig beanspruchte.
Meine Gedanken aber folgten Klaus` Äußerung noch eine Weile. Abgesehen davon, daß ich das aus ihr indirekt hervorgehende Bild davon, wie eine Frau ihren Mann bei der Heimkehr zu empfangen habe, sehr interessant fand, stellte ich mir die Frage, ob man denn nur, wenn man einen Tag lang über dem Kopf herumgespachtelt hat, abends kaputt ist oder ob dies nicht für andere, womöglich auch nichtkörperliche Tätigkeiten, genauso gelte. Wenn ich früher nach ein paar Stunden um die Mittagszeit aus der Schule nach Hause kam, fühlte ich mich oft völlig ausgelaugt und bettreif. Nach einem Tag auf der Baustelle bin ich auch müde, aber irgendwie wohlig rechtschaffen müde, unbedingt mit einem angenehmen Grundgefühl. Ich habe einfach das Empfinden, etwas Sinnvolles getan und einen ruhigen Feierabend in gemütlicher, geselliger Runde verdient zu haben. Ich bin erfüllt von der geleisteten Arbeit und freue mich schon auf die Aufgaben des nächsten Tages.
Verspachteln hat etwas Meditatives – wenn man erstmal so richtig „drin“ ist im Arbeitsablauf. Zunächst hatte ich noch etwas zu kämpfen. Die Tätigkeit an sich machte mir zu meinem eigenen Erstaunen gar nichts aus. Auch daß der Mörtel anfangs nicht haften wollte und beständig wieder herunterplatschte, der teure Hochleistungsmörtel, im besten Fall zurück in den Eimer oder auch auf den Fußboden, mir ins Gesicht, in die Haare, in den Ausschnitt, das war noch nicht das Schlimmste. Es brachte mich zum Verzweifeln, daß er an manchen Stellen nach geraumer Zeit plötzlich wieder herausfiel, auch nach mehreren Versuchen unter Berücksichtigung aller möglicher guter Ratschläge. Schließlich entdeckte ich, daß dies immer genau dort passierte, wo der Regen durchtropfte, also offensichtlich nicht an meiner Technik lag. Ja, das hätte Meike mir natürlich auch vorher sagen können – Musiklehrerinnen sehen so etwas nicht unbedingt selbständig voraus – , doch die Erkenntnis wäre dann niemals so einprägsam gewesen!
Fast ein wenig enttäuscht war ich, als zum Abendessen gerufen wurde, aber bei mir hatte sich die erhöhte Energieverbrennung offenbar sehr schnell eingestellt, denn ich spürte doch bereits ein gewisses Hungergefühl, so daß ich nicht allzu böse war. Außerdem – das Wichtigste – konnte ich meine Arbeitsstundenzahl von gestern übertreffen, so daß ich mich schon auf das Ausfüllen des Stundenzettels freue – und auf die Veröffentlichung der nächsten Statistik!

Gerhild Drescher

Zu den >>>Fotos<<<

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1 comment so far

  1. Schlumpf on

    Oh liebe Gerhild,
    leider komme ich erst am Samstag wieder zum Stundenzählen, nun musst du leider bis dahin auf deinem momentanen Platz verharren 😉
    Mal sehn, was sich bis Samstag noch alles tut.


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