Wenn wir nicht hier sind, sind wir auf dem Sonnendeck…

Matrosen der Wälder!
An wen geht dieser Ruf, wenn nicht an vier mutige und sturmerprobte Waldläufer aus Norddeutschland? Könnten wir es doch nie wagen, unser Bundeslager in Hessen zu besuchen und danach einfach an der verrücktesten Baustelle in Europa vorbeizufahren.

So sind wir also Samstag hier gestrandet und versuchen seitdem, unser geschädigtes Burgbild (Technoparty Eurowoche) in Arbeit zu ertränken. Außerdem haben wir eine zusätzliche Motivation: Wenn wir den Technikraum – den neuen Patenraum der I-Waldjugend – fertig gemauert haben, dürfen wir draußen arbeiten. Unser persönlicher Platz an der Sonne! Mit Natur und allem drum und dran. Ein reiner Traum!
So haben wir also Sonntag und Montag fleißig unser Eckchen hochgezogen und denken, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann – wenn es auch mit Eiche rustikal schöner geworden wäre, da liegen uns die Werkzeuge besser in der Hand…
Apropos Werkzeug: Tretet herbei und arbeitet, ihr Mitglieder der Bauhütte. Mit dem Equipment macht Häuser bauen gleich nochmal soviel Spaß!

Dreck und körperliche Arbeit! Tüfteln, Basteln, Ausprobieren!
Am Dienstag warten dann gleich zwei Überraschungen: Der versprochene Platz an der Sonne bleibt uns erstmal verwehrt – mittelschwere Unruhen und eine gerade noch niedergeschlagene Meuterei auf der Enno sind die Folge. Die zweite Überraschung ist dann ungleich positiver: Dirk Landau, hiesiger Landtagsabgeordneter, wird für zwei Tage die Crew der Waldmatrosen verstärken.
Mit dieser tatkräftigen Hilfe sind auch die Verschalungen des Unterzugs schnell entfernt, Meikes Pfuschereien werden unauffällig versteckt und schon entern wir das Sonnendeck.

Verschalungsbau steht auf dem Programm und weil irgendjemand etwas zu spät abends zu laut äußerte, dass Holz ja eigentlich unser Ding ist, darf es auch gleich die größte Verschalung an der Bodenplatte sein. Früh übt sich, was ein großer Meister werden will…
Trotzdem geht das Tagwerk rasch von der Hand – Dirk hat immerhin ein Gesellenbrief als Augenoptiker – und nachdem einer hier namentlich nicht näher erwähnten Architektin auf sechsfache Nachfrage auch wieder eingefallen ist, dass sie „die Wand ja doch noch ein paar Dezimeter verrückt“ hat, verschwinden auch die Fragezeichen in unseren Gesichtern.

Wassereinbruch in Maschinenraum 3
Mittwoch morgen, halb 10 in Deutschland. Alle warten gespannt auf irgendetwas, dass viel Krach und Mühe bedeutet. Da wir schon auf der Bodenplatte stehen, können wir nicht gemeint sein. Anderthalb Stunden nach dem vereinbarten Termin lüftet sich das Geheimnis. Ein Betonmischer biegt um die Ecke und mit offenen Mündern erleben wir es seit drei Tagen zum ersten Mal, dass der Plan A funktioniert. Das bedeutet: Nicht mit Schubkarren voller Beton über zwei Bohlenbretter ein burggrabenähnliches Gelöte überqueren – sondern ganz gechillt daneben stehen, wenn der nette Betonmischwagenfahrer (der seine Verwunderung über uns nicht ganz verhehlen kann) seinen guten Stuff einfach mal in die Unterzüge rieseln lässt.
Die gespannte Ruhe wird schnell durch unsere Lieblingsarchitektin und den Ruf „Alle Mann an die Schubkarren“ gestört, der uns weder aus dem Wald noch von Bord eines Schiffes geläufig ist, dem wir aber notgedrungen und aus purem Eigennutz trotzdem Folge leisten. Schließlich ist der Hungertod in Betonschuhen auf der Bodenplatte von Enno noch unangenehmer als die Mafiamethode.

Wie wir lernten, die Betondusche zu lieben
Nun, meine Kinder, merket euch eins: Wenn ihr einen total entspannten Job habt – zum Beispiel Betonschubkarrenfahrer – dann achtet nicht auf ungewöhnliche Fließwege von Beton oder ungewöhnliche Geräusche, sondern fahrt unauffällig pfeifend von dieser Stelle weg.
Sonst möge es euch so ergehen wie uns:

Nachdem wir uns gewundert haben, wie viel Beton in so einen Unterzug passt, haben wir der Schwerkraft folgend mal im Pelletlager nachgesehen. Fazit: Unterzugschalung gerissen und nach außen gedrückt, ein nagelneuer, aber etwas unebener Betonboden im Pelletlager und drei Stunden anstrengende, (angst)schweißtreibende und wirklich unangenehme Arbeit unter einer tropfenden Betonrinne.

Jetzt liegen diese drei Stunden Arbeit schon ein bisschen hinter uns und Heldensagen sollen heute abend an den Häfen dieser Burg gesungen werden. Für mich ist dieser Eintrag für diesen Monat die letzte Tätigkeit auf dem Bau, ab morgen bin ich mit Balu auf großer Balkanfahrt. Aber sicherlich kommen wir zum Abschluss unserer Fahrt noch einmal vorbei, uns geht es da wie dem Ska-Bund: Wir wollen endlich Stroh-rum drehen!

Allen, die schon wieder weg sind und in erster Linie allen, die noch hadern: Hier entsteht was ganz Großes! Kommt her, es lohnt sich!

ohm
für die Crew der Waldjugend Nord

zu den >>>Fotos<<< vom 10. und 11. August

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12 comments so far

  1. Katja on

    jaja!

  2. tolu on

    Ahoi, Ihr Waldmatrosen von der Enno!
    Toller Bericht und schöne Bilder – auch ohne Stroh-Rum. 😉

  3. Isa on

    Na, so erstrebenswert ist der Platz auf dem „Sonnendeck“ auch nicht. Daheim angekommen, habe ich jetzt glaube ich wirklich einen leichten Sonnenstich.
    Aber die Erinnerung streicht freundlicherweise solche Dinge :-))

  4. Eva on

    und das Stroh und das Holz gibt es auch noch

  5. Eva on

    und von euren heldentaten werden selbst eure enkel und urenkel noch singen, das internet vergisst nichts 🙂

  6. Hauke on

    Und werden meine Enkel und Urenkel auch noch den Pellettkeller besingen, wenn ich längst alt und grau geworden bin?
    Und wer wird den Patenraum im Untergeschoß dann wohl pflegen?

    Fragen über Fragen. Und doch gehe ich mit der außerordentlichen Freude auf Großfahrt, im Winter wenigstens letzte Hand an das anlegen zu können, was über meinem Pellettkeller noch so an irrelevantem gebaut worden sein wird…
    Bis November – Vatti denkt an Dich!

  7. tolu on

    Habt eine erfüllte Zeit, Ohm und Hauke! 🙂

  8. Gunthard on

    Schalungszwingen werden völlig überbewertet, wenn man genügend Waldläufer auf der Baustelle hat…

    • Joker! on

      Jaja, das ist die reine Wahrheit! 😀

      • Hansi on

        Jaja Gunthart, sagst du das auch noch nachdem du das Malheur in Augenschein nehmen durftest? 😛

      • Gunthard on

        Klar, Hansi! Es gibt kein Malheur – der Unterzug ist an zwei Stellen ein wenig jugendbewegt geschwungen – dies ist statisch hochwertiger (Verbreiterung der Druckzone) und architektonisch-stilistisch unverwechselbar mit leichten Anklängen an den Jugendstil.
        Habt Ihr gut gemacht!
        😉

  9. Schlumpf on

    genau und die grroßen und lang gewachsenen Exemplare der FG´s können notfalls auch ne Zwinge ersetzten 🙂 Alles schon erprobt…


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