Geschwisterliebe

Tja nun stehe ich hier, vor mir die alt-rustikalen Gemäuer unserer Burg, hinter mir der Lärm einer neuen und mit Sicherheit einzigartigen Baustelle.
Vor einer Woche hat mein FJD hier an der Burg begonnen und noch habe ich arg Mühe, mit Lucas Schritt zu halten. Aber wohin soll man auch zuerst schauen, wenn von allen Seiten immer wieder neue Eindrücke über einen fluten, da fällt man gerne mal auch über die eigenen Füße.
Eigentlich gilt mein freiwilliger Dienst hier der Pflege und Instandhaltung des Denkmales – sprich der Burg selber, aber da Enno, sozusagen der zukünftige kleine Bruder der Burg, den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich zieht (wie das bei kleineren Geschwisterkindern so üblich ist) wundert es mich kaum, dass meine Einweisung nicht in den historischen Gemäuern meiner neuen Arbeitsstätte beginnt, sondern auf der Baustelle.
Hier gilt es, die benötigten Baugeräte zu beschaffen, die Mannschaft mit Kaffee bei Laune zu halten und bei eventuellen Fragen, die nicht grade der Bauleitung bedürfen, parat zu stehen.
Und natürlich mit anzupacken, wann immer es geht, denn jede helfende Hand ist hier gerne gesehen und wird freudig empfangen!!

Und immer wieder gibt es neues vom Tag zu berichten, es wurden wieder Unmengen von Beton verbaut, sei es aus eigener Hand in den Schalungen oberhalb des zukünftigen Pelletlagers, oder aus dem eigens georderten Betonmischer, welcher der Sommerküche ihr Fundament verlieh. Ein ganz schöner Tumult, wenn nebenher noch an der Süd- und Westseite die Gräben am Gebäude schon wieder zugeschüttet und eingestampft werden.
Leider mussten wir uns dann auch noch von vielen unserer Bauhelfer verabschieden, die die Woche über so tatkräftig mit angepackt hatten. Ruhiger wird’s nun ohne die letzten beiden des DMWB, und auch die „Extra Starken“ nordischen Jungs der Waldjugend sowie ein paar tatkräftige Helfer der fahrenden Gesellen verließen uns.
So beschränken sich unsere Arbeiten fürs erste auf ein gemeinsames Arbeiten an den Schalungen für die weiteren Ebenen der Sommerküchenfundamente, und am Abend treffen ja auch schon neue Grüppchen ein, deren Ankunft freudig erwartet wird.

„Eigentlich doch langweilig“ geht wohl so manchem da durch den Kopf. Wirklich anders sehen die Schalungen ja nie aus, der Beton hat immer das selbe triste Grau und wer hat schon Lust, die vielen Fugen in den Wänden zu verfüllen – die auch immer aus den selben Steinen bestehen. Stroh und Matsch können ja auch nicht viel spannder sein und dann immer noch das Wetter…

Ich glaube, jeder, der auch nur kurz hier war, kann bestätigen dass solche Gedanken nur aus den Köpfen jener entspringen können, die bisher einen weiten Bogen um den Bau gemacht haben.
Kein Tag gleicht dem anderen und ich kann mir kaum einen anderen Ort vorstellen, an dem immer wieder aufs neue so viele fremde Menschen aus unterschiedlichen Gruppen, Bünden, Regionenund Gesinnungen aufeinandertreffen und es schaffen, innerhalb von Stunden eine Gemeinschaft aufzubauen, die dieser hier gleicht. Jede Aufgabe birgt auch eine neue Blödelei, und es mag wohl kaum ein befriedigenderes Gefühl, als am Abend vor der selbsterrichteten Mauer zu stehen oder stolz zu sehen, dass die eigens vermessene und verbaute Schalung samt Bewehrung und Beton ein tragendes Element dieses riesigen Gebäudes formen.
Und das alles vor dem immerschönen Panorama der Burg und der atemberaubenden Wälder umher.
Zwischen diesen so „vermeindlich langweiligen“ unverputzten Betonsteinen, Sägemehl und allerlei Dreck erwachen hier langsam mühevoll verbildlichte Phantasien und Pläne, die so bisher nur auf Papier und Pappe ihren Weg hierher fanden, und jede Maurerritze erzählt die Geschichte einer anderen Hand die sie formte und füllte.
Es ist etwas ganz besonderes „mit dabei“ zu sein und an der Entstehung teil zu haben, Tag für Tag die Fortschritte zu sehen wenn aus einem einzigen Stein ein ganzes Haus wächst.

Ich für meinen Teil komme immer wieder gerne runter zur Baustelle und freue mich unglaublich auf das kommende Jahr im Dienste unserer guten alten Burg und ihrem kleinen Bruder „Enno“.

Gut Pfad,
Papagena

Zu den >>>Fotos<<<vom 12. und 13. August

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