S T R O H ! ! !

„Und, habt ihr nun Stroh?“ war wohl die meistgestellte Frage auf der Burg, wo immer Meike und ich in den letzten drei Wochen auftauchten. Ein „Vielleicht“ war da schon eine optimistische Antwort. Am 23. August hatten wir nämlich eine Absage von Bauer Trube bekommen, weil es ihm die Ernte verregnet hatte. Von da an setzte ein wildes Telefonieren ein: welcher Bauer kann uns Stroh in der gewünschten Qualität liefern? Hat er auch eine Presse mit den richtigen Ballenmaßen? Wo kriegen wir eine Strohpresse vom Typ Welger AP 63 oder neuer her? Warum ist es so schwierig, Kleinballen zu bekommen?

In unseren Köpfen reiften Pläne heran, Rundballen den Burgberg runterkullern zu lassen und Kleinballen daraus zu pressen, wenn wir bloß eine Presse bekämen, aber kein Landwirt, Maschinenring oder Händler im Umkreis konnte uns weiterhelfen. Kreative Bauhelfer schlugen vor, doch einfach den gesamten Enno aus Beton zu bauen, das könnten wir ja schließlich inzwischen.

Nach zwei Wochen voller Ungewissheit und hin und her gelangten wir über verschlungene Wege an einen Bauern in der Nähe von Einbeck, der noch Stroh hatte und Ballen in den gewünschten Maßen presst, mit einer Welger AP 730, der neuesten am Markt! Nun musste nur noch das Wetter mitspielen. Mindestens vier Tage Sonne waren nötig, um das Stroh auf dem Feld trocknen zu lassen.
Am Montag, den 6. September, war ein Jubelschrei im Baubüro zu hören:

„ W I R H A B E N S T R O H ! “

Schnell wurden ein paar Helfer zusammengetrommelt, in der Küche Stullenpakete bestellt und am Mittwoch ging es endlich los.
Mittags um eins standen wir bei Bauer Ulrich Stenzel in Edemissen auf dem Hof, wo schon vier Wagen mit Strohballen auf uns warteten. Ulrich führte uns auf einen riesigen, völlig leeren Dachboden über dem ehemaligen Kuhstall. Auf dem Boden lag ein wenig Schutt, also griffen erstmal alle zu den Besen. Dann wurde das Förderband an die Luke geschoben, der erste Strohwagen davorgezogen und abgeladen. So ging es den ganzen Nachmittag: die Ballen wurden auf das Förderband geworfen, durch die Luke hochgefahren und auf dem Dachboden ordentlich aufgestapelt. Unterbrochen wurde unsere Arbeit nur von einer Spätmittags-Brötchenpause, einem Ausflug zur Strohpresse auf das Feld und einer noch späteren Kaffee-und-Kuchen-Pause. Wagen für Wagen wurde abgeladen, bis es am Abend zu regnen begann: da wurde noch schneller abgeladen. Insgesamt acht Strohwagen fuhren der Bauer und sein Sohn ein, mit jeweils 120 bis 160 Ballen. Etwas über 1000 Strohballen lagen am Abend fein gestapelt auf dem Dachboden, das ist schonmal die Hälfte von dem, was wir haben wollen.
Die letzten Fotos des Tages sind verwackelt, weil unsere Arme zu schwer waren, die Kamera zu halten. Die Haut juckte und brannte von den unzähligen kleinen Kratzern. Überall versteckte sich Stroh: in den Haaren und unter der Kleidung, vom vielen Staub mal ganz zu schweigen.
Der Bauer war von uns so begeistert, dass er uns fürs nächste Jahr als Erntehelfer engagieren wollte, wir wiederum luden ihn samt Familie zum Richtfest ein.
Um 21 Uhr waren wir wieder auf der Burg, müde und geschafft, aber froh über Stroh.

Katja

Zu den >>>Fotos<<<

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9 comments so far

  1. Isa on

    Glückwunsch! Da ich täglich das Stroh sehe, das dieses Jahr von den Äckern kommt, müßt Ihr wirklich enormes Glück gehabt haben, doch noch die gewünschte Qualität zu bekommen.
    Allerdings gibt es Regionen, in denen es die Weizenernte nicht derart verregnet hat – einige Gebiete in Brandenburg etwa hatten mehr Glück mit dem Wetter. Falls es also noch nicht reicht, vielleicht mal dort auf die Suche gehen…

  2. Flo on

    War ja klar…wir sind nicht mal ’ne Woche weg und schon geht’s los…wehe, ihr verbaut das alles ohne mich! 🙂

    • Schlumpf on

      Nein nein, keine Sorge, das Stroh ist ja noch nicht mal auf der Burg 🙂
      wir sagen euch allen schon bescheid, die mit Stroh bauen wollen!

  3. Isa on

    … und Kleinballen pressen vor allem solche, die Pferde halten oder Pferdehalter/ Reitvereine beliefern.
    Für andere sind Kleinballen eher unpraktisch.

  4. Sigrid on

    Habe den Jubel ueber das Stroh bis nach Siebenbuergen gehoert!! Morgen gehts zurueck nach Deutschland -und dann bald wieder auf die Burg! Euch alles Gute

    Liebe Gruesse aus Sibiu-Hermannstadt

  5. Gerhild on

    Ach, wie wunderschön!!!
    Da bekommt man ja doch richtig Lust, sich dem neuen Baustoff zuzuwenden!

  6. Hauke on

    Endlich Stroh und ich kann nicht mitbauen – habt Ihr noch ein paar Ballen fuer den November?
    Und koennt Ihr das Baufest nicht um eine Woche nach hinten verlegen? Unverschaemtheit!

    Ein herzliches Horridoh aus La Paz!
    Hauke

  7. Schlumpf on

    Ach Hauke, was machst du denn heute am Internet?
    Also wenn du wieder da bist gibts natürlich auch ein Fest!

  8. panter on

    ein fest für hauke aber bitte mit weißen mäusen 🙂
    ich freu mich bei meiner nächsten einsatz-zeit mit stroh arbeiten zu können ….


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