Ein Wochenende voller Stroh

Es war wirklich überall. Kaum hatte man den ersten Strohballen aus dem LKW in Empfang genommen, rieselte überall loses Stroh herum und kroch in alle Kleiderritzen. Aber es roch gut, und es war gold-gelb. Das musste man ihm lassen.
Der LKW war rückwärts in die Halle in Leinefelde gefahren, in der die Dachelemente in zwei Reihen nebeneinander lagen. Viele fleißige Hände leerten die Ladefläche und stapelten alle Strohballen an der Wand auf. Die nächste Helfereinheit belud eine Palette mit Ballen und belieferte mit dem Hubwagen die einzelnen Dachelemente.
Dort wurden immer zwei Strohballen nebeneinander eingesetzt. Das war ein bisschen eng, aber beabsichtigt, damit die Dämmung auch schön dicht ist. Wenn am Ende eines Feldes kein ganzer Ballen mehr reinpasste, wurde genäht. Dafür gab es speziell gefertigte Strohnähnadeln. Zwei große Nadeln mit der Öse gleich hinter der Spitze und am Ende mit einer Querstange verbunden wurden durch den Stohballen gesteckt. Dann hat man Pressengarn durchgefädelt, die Nadeln wieder herausgezogen, das Garn einmal um den Ballen gelegt und fest verknotet. Die alten Strippen wurden aufgeschnitten und das lose Stroh entfernt. Es gab allerdings auch die Möglichkeit, zwei Fäden durch jede Öse zu ziehen und aus einem Ballen zwei kleine zu machen. Wenn man Pech hatte, überkreuzten sich die Fäden und die Ballen blieben aneinander hängen. Strohballennähen mit erhöhten Anforderungen…
Hatte in der Woche vorher noch Panik geherrscht, ob so kurzfristig genügend Helfer da sein würden, sah nun alles etwas entspannter aus. Wir kamen gut voran. Mittags gab es Suppe, die uns die Burgküche in Eimern mitgegeben hatte und die wir im Einkochapparat aufwärmten. Nachmittags kamen Eva und Jörg und brachten Zwetschgenkuchen mit Schlagsahne. Wir waren bestens versorgt! Und abends waren wir wieder auf der Burg, wo man sich zur Singerunde im kerzenbeleuchteten Kartoffelkeller einfand.
Am Samstag kam noch mal ein kleinerer Laster mit Stroh, das auch verbaut wurde, und dann folgten die nächsten Arbeitsschritte: wenn alle Lücken mit Stroh gestopft waren, wurden die Bänder aufgeschnitten und herausgezogen. Mit Heckenscheren wurden alle überstehenden Strohhalme „abrasiert“. Nun konnte geschlämmt werden. Eine Putzmaschine stand bereit, in die Lehm geschaufelt und Wasser gekippt wurde. Ein langer und schwerer Schlauch spuckte am Ende eine Lehmschlämme aus, deren Farbe und Viskosität zu unappetitlichen Vergleichen verleitete. Die Schlämme wurde auf dem Stroh verteilt und glattgezogen. Und damit waren einige bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt, weil es doch länger dauerte als angenommen.
Ein etwas ausgeschlafeneres Trüpplein fuhr am Sonntagvormittag wieder in die Halle, um aufzuräumen und sauberzumachen.
Nun sind sie fast fertig gedämmt, unsere Dachelemente. Ein kleines Stück fehlt, weil die Anzahl der gelieferten Strohballen sehr knapp war.
Das Wochenende hat viel Kraft und einige Nerven gekostet, darum will ich im Namen der Bauleitung allen ganz herzlich danken, die mitgeholfen oder uns anderweitig unterstützt haben!

Katja.

Advertisements

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: