Warum liegt da eigentlich Stroh rum!?

Man stelle sich eine riesige Halle vor- nicht so groß wie die Burg aber doch größer als unser Keller.
Und man stelle sich riesige vierfächrige Ikea Holzregale mit gigantischen Kleiderhaken an der Seite vor, nehme 19 davon und lege sie in diese Halle.

Und dann stelle man sich noch ca. 44 Helfer vor, alle zwischen 1,20m und 2m die knappe drei Tage zwischen den Elementen hindurch wuseln, wie vom Hunger getriebene Ameisen auf einem frisch eingedeckten Frühstückstisch, in allen möglichen Farben. Und über all dem das goldgelb der selig gefluchten Strohballen.
Nur allzu gerne hätte ich das ganze mal von oben betrachtet, nur um dieses Bild zu vervollständigen und mich daran zu ergötzen. Doch stattdessen stand ich mittendrin und ließ mir, ergriffen von dem Anblick, der sich mir auch dort unten noch bot, den Atem rauben…

***

Eigentlich hätte es schon Donnerstag zum Mittag losgehen sollen, und die Waldjugend-Nord und wir standen auch quasi schon in den Startlöchern, als uns die bittere Nachricht erreichte, dass der LKW-Fahrer, der uns das lange ersehnte Stroh bringen sollte, seine Lenkzeit für eben jenen Tag schon überschritten hatte. Na und da saß er dann nun noch in Uelzen und fröhnte seinem Feierabend. Zuwenig Stroh hatte er zudem dabei- das musste erstmal verdaut werden.
Aber bekanntlich ist Geduld ja der Elefant im Porzellanladen, oder wie es auch immer so nett heißt und irgendwie kamen wir schnell drauf, dass es wohl einfacher ist, sich nicht weiter zu wundern, sondern lieber mal die Schwingungen im Raum zu ertesten.

***

Freitag früh um sechs fällt dann der Startschuss: Motoren an und auf nach Leinefelde!! Im Dämmerlicht fahren wir los und stimmungsvoll kündigt sich der neue Tag im feurigen Rot der aufgehenden Sonne an. Pünktlich mit uns erreicht das Stroh die Halle und mit einer anfänglichen Zahl von 6 Personen beginnen wir die erste Lieferung Stroh auszuladen! ENDLICH!!!!! =)
Ruckzuck ist das Stroh aus dem Laster in eine Ecke gestapelt und es kann losgehen. Nach der ersten Einweisung teilten wir uns in „Arbeitsgrüppchen“ von etwa jeweils vieren auf und fangen an die Ballen in die Elemente zu stopfen. Wieder ein Bild für die Götter: Überall sieht man Menschen spontan aus dem Stand auf, über und in die Elemente hüpfen. Mit viel Schwung drüber, wieder andere lassen sich einfach nur genussvoll, unter Gelächter, in die angesammelten Haufen aus zusammengekehrten Stroh-Resten fallen. Immer mehr Leute sammeln sich in der Halle, alle ergriffen von dem ersten Eindruck und später geprägt vom zweiten! Wer kann Strohballen umnähen?- Am Ende kann es ein jeder und das gelernte wird schnell weitergegeben.
Die Stimmung ist klasse, Rufe hallen über die Flächen, gemeinsames Arbeiten bringt gemeinsamen Spaß. Jeder entdeckt für sich andere Wege die die Arbeit vereinfachen und versüßen. Jeder Ballen führt einen Schritt weiter, die Lücken werden erst mit den Händen, dann mit Hölzern und später sogar mit den Zollstöcken gestopft. Irgendwo läuft immer einer bedächtig, still konzentriert Fuß vor Fuß setzend über ein Dachteil, stets auf der Suche nach Stellen die noch mehr Stroh fordern. Mal wippend , mal hüpfend, mal stolpernd – denn wer erwartet Löcher gerade dort wo man schon einen gefühlten halben Strohballen hineingestopft hat!?
Und hier und da steht dann auch mal einer breit grinsend: „Warum liegt hier eigentlich Stroh rum?!“
Die Mittagspause mit warmer Suppe kommt wie gerufen, der fast noch warme Zwetschgen-Kuchen kurz vor Schluß versucht noch einmal die letzten Kräfte zu mobilisieren.
Als wir wenig später den Heimweg antreten, geschieht dieses nicht, weil die Kräfte vollends geschwunden und alle Lust dahingerafft ist- nein das nicht! Zwar kommt der Feierabend wie gerufen, doch sind wir auch genötigt dazu, denn wir haben kein Stroh mehr. Alle Ballen haben wir verbaut, schneller als gedacht. Stolz stehen wir vor dem Geleisteten und schnaufen durch.

Spät in der Nacht- wohl eher früh am nächsten Tage werden dann mit Alex die nächsten Ballen eintreffen mit denen wir das Werk vollenden wollen.
Entspannt können wir den Abend auf der Burg ausklingen lassen und so schallen noch einige Zeit unsere Lieder durch den Kartoffelkeller.

***

Wieder zur schönen Dämmerstunde ruft auch Samstag der Wecker nach draußen. Benne und ich packen noch schnell das Auto um. Heute kommt der Lehm und auch dazu benötigt man Werkzeug, in rauen Mengen am besten, denn es kündigen sich immer mehr Helfer an. Fast zu viele befürchten wir, aber das Engagement und die Hilfsbereitschaft beeindrucken uns genauso wie die verständnisvolle Spontanität derer, die wir immer wieder mit wechselnden Informationen hin und her schicken müssen. Der LKW mit dem neuen Stroh erwartet uns schon auf dem Burgparkplatz und los geht es!
Wieder beginnen wir mit dem Ausladen und Sichten der Ballen, ein paar mit regennassen Ecken müssen aussortiert werden, aber auch für diese finden wir später noch Verwendung.
Das Frühstück vor Ort muss für uns heute etwas kürzer ausfallen, denn schon stehen die ersten Helfer wieder in den Startlöchern und mit frischer Kraft und neuem Schwung wird angepackt.
Diesmal sind auch ein paar jüngere mit von der Partie und es dauert nicht lange bis man sich vor Strohschlachtereien in Acht nehmen muss. Wer nicht schnell genug laufen kann, wird mit Stroh geduscht und durchgekitzelt, ich sage euch, auch heute finde ich noch Stroh in meinen Klamotten!
Die gröbste Arbeit ist schnell getan, doch das Nachstopfen nimmt einige Zeit in Anspruch. Die ersten Elemente werden schon für den Lehm vorbereitet und „rasiert“, da trifft uns ein kleiner Schlag. Die letzten Holzteile, die wir ausgestopft haben, wurden zu eng mit den Ballen ausgelegt und drücken sich nun auseinander. Nach erster Ratlosigkeit und einem fachmännischen Blick folgt die unausweichliche Schlußfolgerung: Alles nochmal raus und ordentlich rein! Immerhin bauen wir hier ein Haus und das soll ordentlich stehen! Nichtdestotrotz stehen wir am Ende vor einem halbleeren Elementen-Viertel, läppische vier Ballen fehlen, aber gut, mehr Stroh gibt es gerade nicht, dann muss das letzte Stückchen eben doch später auf dem Dach gemacht werden.
Überall wird nochmal nachgestopft, rasiert und auch die letzten Strohreste zusammengekehrt und zum Stopfen verwendet. Sogar die zuvor aussortierten Ballen werden großzügig von ihren nassen Stellen befreit und als Stopfmaterial ausgegeben.
Langsam wird die Erschöpfung sichtbar, doch aufhören möchte keiner, alle haben das Ziel vor Augen.
Gegen Mittag ist auch der Lehm eingetroffen, drei riesige Säcke à 1200 kg und später sollten nochmal drei folgen.
Aus der Ferne erinnert mich die Lehmmischmaschine an unsere Steinkreissäge, man muss erst lernen mit ihren Zickereien umzugehen bis man sie in Gang bekommt. Aber dann ist wirklich jedermann gefragt. Während die letzten Elemente vorne noch mit den Heckenschneidern bearbeitet werden, fangen die ersten hinten schon an, den Lehm auszutragen. Ständig muss neue Lehmerde in die Maschine geschaufelt und Wasser herangeschafft werden, auch der Schlauch mit dem der Lehm verteilt wird ist nicht ohne und alleine kaum zu halten. Alle Kräfte werden in Gang gesetzt und es wird geschippt, geschleppt, gestrichen und gespachtelt was das Zeug hält.
Nach den ersten drei Säcken sind gut zwölf Elemente fertig und es bleiben ein paar Minuten zum pausieren und beraten. Mittlerweile ist es spät geworden und einige ersehnen den Feierabend, es ist ihnen ja auch nicht zu verübeln nach den vielen arbeitsreichen Stunden, die sie schon hinter sich haben, – letzten Endes wird beschlossen, dass diejenigen, die wollen, noch bleiben können, die anderen fahren heim oder zurück zur Burg und werden sich am nächsten Tag um die Reinigung der Halle kümmern. Ein kleines Grüppchen- der harte Kern- bleibt zurück, gewappnet für die kommende Nachtschicht.
Hundemüde, aber sichtlich stolz auf das Geleistete erreichen wir die Burg zu später Stunde und während die einen erschöpft in die Matratzen fallen, lassen wir anderen den Abend ruhig mit Gesprächen, Gesang und Wein ausklingen.

Am nächsten Morgen wird uns dann die Nachricht erreichen, dass Meike, tuedel, Benne, Erwin, Matti und Daniel, zum Teil noch bis fünf in der Früh die Elemente fertiggestellt haben. An diese Tapferen einen extra Dank, das war eine unglaubliche Leistung.

Aber auch allen anderen fleißigen Helfern gilt der Dank, das war ein unvergessliches Wochenende!
Es ist kein Wunder, dass wir es mit solch engagierten Menschen schon so weit gebracht haben, da darf sich jeder von euch selber mit Recht auf die Schulter klopfen!!
Hut ab vor dem was dort geleistet wurde, BRAVO!!!

Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Aktion, mit der festen Überzeugung, dass wir auch diese wieder, komme was wolle, meistern werden!
Es grüßt,
Papagena

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2 comments so far

  1. Tatjana on

    Hey Papagena, wer war denn nun eigentlich der Mörder? 😉

  2. Papagena on

    … der Mörder war wieder der Gärtner, un der schlug gnadenlos zu…..


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