Spielfahrt in die Lüneburger Heide – Oktober 2010

Einer plant, einer hebt die Schaufel, einer sammelt Geld …
… so heißt es in dem Film „Der dritte Ring“ und nachdem wir des öfteren die Schaufel auf der Baustelle gehoben haben, wollten wir an diesem Wochenende „dem Enno“ auf andere Weise dienen. Unser Vorhaben war es, das Ende der Heideblüte für eine Spielfahrt zu nutzen, um die spendierfreudigen Touristenscharen mit unserem Gesang zu erfreuen und damit ordentlich Geld für den Bau zu sammeln.
Zu deutlich vorgerückter Abendstunde trafen wir uns in einem gemütlichen Landgasthof in Niederhaverbeck. Wir befürchteten, zu so später Stunde keinen Einlaß mehr zu erhalten, doch die Sorge war unberechtigt: Der Wirt freute sich über unseren Besuch. Erst recht, als wir zu Übungszwecken einige Heidelieder der Herren Löns und Sluyterman zum Besten gaben. Er erzählte, daß Georg Sluyterman von Langeweyde ein guter Freund seines Großvaters war und häufig in diesem Gasthof einkehrte. Wenn er kein Geld für die Rechnung hatte, bezahlte er mit selbstgemalten Bildern, die heute noch den Schankraum schmücken. Er muß oft zu Gast gewesen sein, denn es waren viele Bilder, die es zu bewundern galt. Mit Anekdoten und Gesang verstrich unser erster Abend und endete mit einer Übernachtungseinladung, die wir gerne annahmen. Das Quartier war ein Kellerraum, der eines Tages zum Heimatmuseum umgebaut werden soll. Hier lagerten wir zwischen antikem Geschirr, Gemälden, diversen Fundstücken und allerlei ausgestopftem Getier. Der Raum bot also viel – allerdings keine Fenster. Nach der langen Nacht folgte ein tiefer Schlaf und durch das fehlende Tageslicht wurden wir erst durch den Lärm der Gäste wach, die bereits für den Mittagstisch eintrafen …
Nun ging es etwas schwerfällig, aber dennoch motiviert aus den Schlafsäcken. Schließlich wollten wir am Sonntag mit einem stattlichen Betrag auf die Burg zurückkehren.
Mit leichten Rucksäcken und vier Gitarren marschierten wir in Richtung Wilsede und Undeloh. Das Wetter war nordisch grau und kühl und die Heide zeigte sich bereits im herbstlichen Braun. Nur sehr vereinzelt begegneten wir wetterfesten Wanderern. Die Stimmung wurde etwas verhalten. Wenn der Publikumsverkehr so bliebe, könnten wir höchstens auf die Einnahmen für ein Päckchen Spaxschrauben hoffen.
Doch dann kam die erste Touristengruppe: Ein Sportverein, der sich mit Astra-Dosenbier eine Herrentour genehmigte, wurde zur dankbaren Zuhörerschaft, was sich für uns auch in klingender Münze auszahlte. Ein Anfang war damit gemacht.
Auch in Wilsede waren auf den sandigen Dorfstraßen kaum Zuhörer anzutreffen, deshalb änderten wir die Taktik: Statt Freiluftdarbietungen zu geben, folgten wir nun den Touristen in die Gasthöfe und im Wilseder Hof konnte nun auch das erste Papiergeld seinen Besitzer wechseln. Von nun an traten wir in jedem Café und Gasthaus am Wege mit unserem Gesang auf, erzählten viel von der Jugendbewegung und unserem Bauvorhaben auf dem Ludwigstein.
Der letzte Gasthof, den wir an diesem Tage aufsuchten, war die „Heiderose“ in Undeloh. Kaum das wir eintraten und Platz nahmen, stellte der Wirt uns ein Frischgezapftes vor die Nase und legte einen Geldschein daneben, begleitet von den Worten: „Ich habe noch Gäste, also singt!“ Bei einem so herzlichen Willkommen fiel uns dies nicht weiter schwer, auch wenn wir, wie nach einem Arbeitstag, den Feierabend herbeisehnten. Eine Reisegruppe saß neben uns, und sie freuten sich sehr über die unverhoffte Abendunterhaltung. Von ihnen kamen immer wieder Liedvorschläge, sodaß auch diese Nacht recht kurz wurde.
Einen Schlafplatz fanden wir diesmal unter einem Zeltvordach auf dem Undeloher Marktplatz. Hier wollten wir am Sonntagvormittag mit Straßensingen weiteres Geld verdienen. Doch der Morgen brachte mehr Regenwolken als Marktbesucher und die Kutschfahrten wurden ebenfalls nicht so hochfrequent gebucht, wie wir gehofft hatten.
Dennoch schafften wir es – trotz der widrigen Umstände – einen Betrag von 250 Euro (und 30 Cent) „dem Enno“ zu stiften. Er hat es wahrlich verdient, schließlich hat er uns – die „Spielschar Enno Narten“ – erst zusammengeführt und unser Fahrtenleben mit dieser Heidewanderung bereichert.
Sigrid

zu den >>>Fotos<<<

Advertisements

3 comments so far

  1. Eva on

    Ihr seid unglaublich

  2. Eva on

    ich hab keine Worte, was sagt man dazu? Meine Güte!

  3. Jonathan Ries on

    Was für Schöne Menschen!

    Schiller schrieb einst:

    In des Herzens heilig stille Räume
    Musst du fliehen aus des Lebens Drang.
    Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
    Und das Schöne blüht nur im Gesang.

    Ich wünsch Euch Kraft und Erfolg. Ihr seid wahre Vorbilder! Passt bitte, bitte auf Eure Gesundheit auf, esset und Trinket gesund & schlafet tief & rauchet nicht, dass Eure Lieder noch lange, oft und kraftvoll über die Heide klingen können! (-:

    Der Bau nimmt ja langsam Formen an, die zu meinen Zeiten noch unsichtbar waren. Das sind echt schöne Bilder von Euch und dem Bau im Enno-Blog! Danke fürs Posten!

    Bin nun von meiner langen Reise ebenfalls erfolgreich heimgekehrt, bin froh wieder daheim zu sein, aber dass Fernweh kratzt dennoch stets an meine Tür. Ich grüße alle im Blog, die beim Ennobau dabei sind, mich aber nicht kennen…!

    Jonathan


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: