Rückblick Bauhüttenfest

Nun ist das Bauhüttenfest schon fast eine Woche her, der fehlende Schlaf ist nachgeholt und auf der Burg ist Ruhe eingekehrt.
Zum ersten Mal seit langem sind keine Helfer auf der Baustelle und es besteht zur Zeit auch mal kein Termindruck.

Das Richtfest war mindestens so schön, wie wir es uns gewünscht hatten.
Die Begeisterung für das Projekt war in jeder Rede, in jedem Grußwort zu hören.
Besonders in der Woche vorher, als wir mit über 50 Bauhelfern arbeiteten, diesmal mit vielen Jüngerengruppen, wurde die Freude am gemeinsamen Arbeiten noch einmal richtig deutlich. Die meisten Gruppen von unserer Erbauerliste waren auch zum Feiern erschienen. Und dann mitten in der Nacht stand da unser kerzenerleuchteter Enno und war voller Gesang und Leben! Mal erklangen mehr die Lieder, die man sonst in Hamburg im Füllhorn hören kann, mal mehr dass, was man so vom Weinbacher Wiesenfest kennt, doch es gab keine wirkliche Spaltung der Singerunden, was ich bei dem breiten Spektrum der Sänger bemerkenswert fand.
Im Laufe des Abends fanden auch immer wieder Sänger und Zuhörer der Archivtagung zu uns in den Enno. Gegen 19:30 mussten wir mit einigen Leuten von der Neugier getrieben den Fernseher auf dem Ziviflur nutzen, um den Beitrag in der Hessenschau über unsere Baustelle zu sehen.
Nach den offiziellen Feierlichkeiten und zu Beginn unseres Festes entzündeten wir ein großes Freudenfeuer aus unserem alten Schalholz. An diesem Feuer wurde kafe (von den Grauen Reitern) als neuer Polier für den Abschnitt Innenausbau willkommen geheißen und tolu als Ehrenmitglied in den Bauhüttenkreis aufgenommen.

Zu Beginn unseres Baus habe ich mich manchmal im Stillen gefragt, ob es uns gelingen wird, die Bündischen für unser Projekt zu begeistern. Ob die Diskussionen um den Kurs der offenen Burg nicht bei vielen die Lust am Ludwigstein genommen haben. Die letzten Monate haben bewiesen, dass es nicht so ist. Die Freude am gemeinsamen Bauen, die Kraft die von unserem Projekt ausgeht, schlicht der ENB-Virus war stärker.
Den Raum, den wir mit der offenen Burg geben, nutzen die Gruppen zu einem kritischen Austausch. Pauschalverurteilungen weichen hier einem menschlichen, kritischen Gespräch. Ängste und Misstrauen, die einen Dialog unmöglich werden ließen, weichen Vertrauen und Offenheit. Selbstverständlich entsteht daraus nicht ein einheitlicher Meinungsbrei, sondern viele unterschiedliche Ansichten können nebeneinander stehen bleiben und durchaus kritisch wahrgenommen werden.
Ohne große pädagogische Konzepte bietet das gemeinsame Bauen ein unglaubliches Lernfeld für jeden Einzelnen. Nicht ein konstruiertes Lernen in einer pädagogischen Situation, sondern das Lernen am Enno ermöglichen völlig neue Erfahrungsfelder.
Statt einem Girlsday oder einer Frauenbaustelle hat es sich bei uns einfach so ergeben, dass wir oft mehr Mädchen und Frauen als Jungen und Männer auf der Baustelle haben (ein Blick auf die Stunden des Deutschen Mädelwanderbund macht das besonders deutlich). Das dabei so manchem Mädchen und mancher Frau die Angst vor großen, lauten Maschinen genommen wurde, ist hier im Blog nachzulesen. Ebenso das Erstaunen der Fachfirmen und Profis, die mit uns zu tun haben, und die ihr Baugewerbe bisher für einen reinen Männerberuf hielten. Sie mussten verblüfft feststellen, dass auch Frauen und besonders Mädchen mauern und betonieren können.
Eigenständige Problemlösungen zu entwickeln ist ebenso eine Kompetenz, die während des Baualltags selbstverständlich entstanden ist. Spätestens wenn der Beton aus der Schalung fließt und Meike gerade an einem anderen Brennpunkt arbeitete, wurde auch dem langsamsten Bauhelfer deutlich, jetzt muss ICH mir was einfallen lassen und zwar schnell!
In einem solchen Moment ist es auch ziemlich egal, ob der neben mir aus der CDU oder aus der CPD aus dem Wandervogel oder von den Pfadfindern ist, Hauptsache die Schalung platzt nicht.
Und wenn es dann beim Bauhelferfest Fanta und Sprite aus PET-Flaschen gibt, dann wird daran deutlich, dass wir ein Fest mit Bündischen und Nichtbündischen organisiert haben und dabei Stilfragen keine Rolle gespielt haben. Ein winziges Beispiel dafür, wie die Burgmitarbeiter und die Jugendbewegten durch diesen Bau eine Gemeinschaft geworden sind.
(Trotzdem kochen wir nächstes Mal lieber wieder einen Tschai).
Eva, hat uns immer ermahnt, uns nicht als Bündische abzugrenzen, sondern die Region und die Unterstützer mit aufzunehmen in unseren Kreis und zu unserem Fest! Es ist großartig gelungen!
Dieses Resümee soll kein Abschluss sein, sondern der Anfang einer wunderbaren Herbst- und Winterbauhütte zu der ihr alle wieder oder zum ersten Mal herzlich willkommen seid.
Alle Bedingungen (Kost und Logis frei, anteilige Fahrtkostenerstattung) bleiben bestehen wie bisher.
Und wenn ihr statt selber zu bauen, die Finanzierung eines oder mehrere Bauhelfer übernehmen wollt freuen wir uns auch darüber.

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