Abstiegskampf

Weit abgeschlagen im unteren Viertel der Erbauerliste, hinter uns eine Saison zum Abhaken. Keine Hierarchie in der Mannschaft, Unruhe im Präsidium und dann noch die tägliche Häme von den Champions League-Plätzen oder aus dem Erbauer-Verband. Die Jubi mit dem Rücken an der Wand, erste Fans wenden sich ab – Abstiegskampf pur. Jetzt sind Typen gefragt, keine Schönwetterkünstler. Anpacker, Körpertiere die in den dritten Ring ziehen und einfach losschuften. Verdammt, wir müssen raus aus dem Dreck…

…..Stephaaaaaaan! Kafes Polierruf ist unmißverständlich und der führt eher rein in den Dreck. Zwei gelbe Gummistiefel, Schippe, Eimer, Besen. Morgen sollen die tonnenschweren Betonanker für die markanten Enno-X-Stützen verlegt werden, aber leider sind alle Fundamente durch Tau- und Regenwetter abgesoffen und erdüberspült. Zwei Meter tief, es geht los. Baustrom an und zack der Schlammpumpe hinterher. Ich mit einem Stromkabel im Wasser; mein Gott, dafür hätte ich gestern noch das THW alarmiert. Zentimeter um Zentimeter sinken die Pegel. Jetzt der nasse Dreck in Kunststoffwannen und Henkeleimer.  Abtransportieren, Ausleeren, Auffüllen und wieder von vorne. Erklären kann ich es mir nicht, aber es beginnt trotz Fußblasen und Lehmfrisur Spaß zu machen. Vielleicht, weil ich nicht alleine bin. Fritz ist als dritter Schachtroboter zu Kafe und mir abgestiegen, Meike kehrt und vermißt die Anker für morgen, zwei reisende Zimmerer bereiten mit Tuedel eine Außenschalung vor und Benne justiert mit Joker die Kernburg. Nach einer doppelten Halbzeitpause (30min) treibt uns der Bayern-Käpt’n Kafe van Bommel humorlos wieder auf’s Feld und damit in die bein- und armharten Zweikämpfe mit Spaten, Pumpe, Schlauch und Karre. Kräfte lassen nach, der Kopf wird frei. Wen hat die Burg in 600 Jahren nicht schon kommen und gehen sehen? Jetzt schaut sie auf uns, wie wir sie vergrößern. Der Tag zieht den Jahrhundertweg.

Uff – geschafft- Feierabend! Die Knochen schmerzen, Bandscheiben flackern, aber zur Abschlußbesprechung im Abenddunkel kullert das kindlichste Glück durch Bauch und Seele. Trocken und stolz liegen die entschlammten Fundamente für die X-Stützen vor uns. Wir sind unschlagbare X-Men! Reingekämpft haben wir uns, spirit bewiesen und als Team funktioniert. Aber jetzt noch keine Siegerphotos, nein, wir heben nicht ab, schauen nur von Stunde zu Stunde. Wem sie dann schlägt, ist doch letztendlich Schnurz: Hauptsache, wir halten die Klasse!

Stephan

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2 comments so far

  1. merle on

    super gemacht, jungs und mädels ! 🙂

  2. Papagena on

    Stephan du Poet, gibt es zu Deinen Texten auch ein Hörspiel? =)


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