Der Vorgeschmack des Sommers

Montag morgen stehe ich in der Runde auf der Baustelle und lausche verzückt Meikes Sicherheitseinweisung (die habe ich so lange nicht gehört!). Bei der Aufgabenverteilung will ich mich melden, aber da heißt es von kafe und Meike: „Nein Katja, für dich haben wir was Spezielles!“  Also lande ich vorerst mit drei Jungs vom VCP im Keller, um Gewebe einzuspachteln, oder vielmehr um zu zeigen, wie das geht. Die Kamera steckt wie gewohnt in meiner Hosentasche (nur dass es meine eigene ist, nicht die der Jubi) und ich laufe über die Baustelle, um die anderen Helfer beim Arbeiten zu fotografieren (eine Weile später treffe ich Carsten, der mich eben darum bittet). Die Sache mit der Lehmschlämme lockt mich noch nicht so sehr, also mache ich mich am nächsten Tag an ein neues Projekt: die letzten Stoßfugen der Kochstelle sind noch offen, das ist etwas nach meiner Nase. Nachdem ich das Mischungsverhältnis rausgekriegt hab, geht es ans Mörtelmischen und Verfugen. Später fällt mir dann auch ein, vorher die Grobanteile aus dem Trasszement zu fischen, damit ich auch die Zweimillimeterfugen zubekomme.
Der Betonmischer brummt, die Sonne brennt und es riecht nach Mörtel und Sonnencreme: so hat sich der letzte Sommer auch angefühlt! Als ich abends die Fotos hochlade, glüht meine Haut.
Schließlich wende ich mich doch dem Lehm zu, aber wir finden nicht so recht zueinander: Die störrischen Strohhalme schleudern mir beim Antragen Sandkörner in die Augen, da muss ich erstmal weinen gehen. Beim Herstellen der Lehmschlämme kann nicht so viel passieren, und man kann so herrlich mit den Händen im Matsch wühlen. Je nach geforderter Menge mischen wir mit der Hand oder im Betonmischer. Besonders viel an die Wand bringen die Kinder und Jugendlichen der Familienwoche, während die erwachsenen Männer im Keller den Estrichboden machen. Da laufen dann sogar zwei Mischer.
Vier Weinbacher sind da, und nachdem sie tapfer den Erdhaufen auf dem Zeltplatz plattgemacht haben, dürfen sie schließlich auch mit Lehm schlämmen und den Mischer betreuen. Irgendwie schaffen sie es, mich zum Organisieren kleiner Zwischenmahlzeiten zu verleiten.
Einige Familienwochenteilnehmer können sich nicht von der Baustelle trennen und tauchen immer mal wieder zum Mithelfen auf. So werden noch Strohballen genäht und in die ganz kleinen Gefache gestopft. Aus einem kann man fünf machen, und mit einem Trick schafft man es auch, dass sich das Pressengarn im Ballen nicht überkreuzt.
Nun gilt es, eine schwierige Entscheidung zu treffen: zur Familie fahren oder doch noch zum Bauen bleiben? Das traumhafte Wetter gibt den Ausschlag: auf der Burg ist es besser als in der Stadt. Spätestens, als am Freitag morgen ein weißes Auto mit blauer Beschriftung auf die Baustelle braust, weiß ich, dass ich mich richtig entschieden habe. Die „fachlichen“ Auseinandersetzungen innerhalb der Bauleitung tragen sehr zur allgemeinen Erheiterung bei. Außerdem gibt es grüne Soße zum Mittag.
Meine Woche auf der Baustelle findet ihren krönenden Abschluss beim Kaffeetrinken unter den Linden, wo zwar im Gegensatz zum letzten Jahr kein Gras mehr wächst, dafür aber kurzerhand der gemütliche Sitzkreis wieder errichtet wurde.
Keine Frage, der Virus ist erneut ausgebrochen. Ich muss wiederkommen…

Katja

zu den >>>Fotos<<<

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2 comments so far

  1. katja on

    was ich zu erwähnen vergaß: binnen drei tagen haben wir zweieinhalb tonnen lehm an die außenwände gebracht 🙂

  2. rumpel on

    und der rest kam aufs gesicht? grins. soll ja schön machen…


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