Weshalb Atemschutzmasken auf der Baustelle überlebenswichtig sind

Nachtrag zum 2./3. Juli

‚Jetzt übertreibt sie aber ein bißchen!‘ denkt ihr nun bestimmt. Nun ja, auch ohne Mundschutz beim ausgiebigen Zusammenfegen der Strohreste im Erdgeschoß des „Ennos“ hätte ich dieses Wochenende sicherlich überlebt. Aber es geht hier ja auch nicht um mich, sondern um …
Am Sonnabend strichen wir die X-Stützen, damit das Gerüst, das uns für jeden Tag Miete kostete (also, nicht uns persönlich …), an der Vorderseite abgebaut werden könnte. Trotz Höhenangst kletterte ich mit Papagena auf die oberste Gerüstetage, um mit den letzten Farbresten das Werk zu vollenden.
Auf einem Querbalken direkt unterm Dach, für mich gerade so noch mit dem Pinsel zu erreichen, lag ein Häufchen Stroh. Was hat das dort zu suchen? Hinunter damit, das stört bloß beim Streichen! Heftiges Pinselstochern mit ausgestrecktem Arm – weg war`s. Doch welch ein Schreck: Eine Gerüstetage tiefer war das „Häuflein“ Stroh gelandet und mit ihm – vier junge Vögel!!!
Was hast du getan? Ein Vogelnest! Und eines der drei Jungen hatte schon den Absturz nicht überlebt, während die drei anderen an jenem lausigen, regnerischen Tag frierend neben dem Nest hockten. Was tun? Die Selbstvorwürfe lähmten mich vollständig, doch meine Mitstreiterinnen auf der Baustelle hoben die drei lebenden Jungen behutsam wieder ins Nest und setzten dieses in ein Gebüsch, auf daß die Vogelmutter es finden könne, denn an den Balken oben reichten wir nicht heran.
Nach kurzer Zeit hatten sich zwei weitere Vögelchen beim Verlassen des Nestes zu Tode gebracht, und wir gaben dem letzten kaum Überlebenschancen. Da ich nun bereits drei auf dem Gewissen hatte, erklärte ich mich bereit, den Vorschlag, das letzte der Natur und damit ebenfalls dem sicheren Tod auszusetzen, auszuführen. Aber Papagena wollte sich damit nicht zufriedengeben. Sie setzte das Kleine in eine Atemschutzmaske (Seht ihr, jetzt kommt sie zum Einsatz!), welche sie mit ihrem Halstuch ummantelte, um es warmzuhalten. So wurde es in ihr Zimmer unter eine Lampe gesetzt, und Papagena und ich, die wir uns beide als hauptverantwortliche „Ersatzmütter“ betrachteten, gingen verzweifelt auf Fliegenjagd. Nie war uns die Burg so sauber vorgekommen! Außer ein paar Mücken und Obstfliegen war kaum etwas zu erhaschen, und selbst diese mußten unserem Vögelchen gewaltsam eingetrichtert werden. Aber vor allem mußte mehr Nahrung her. So stocherten wir in den Blumenkästen und Erdhaufen auf dem Burggelände und ergatterten so mit der Zeit etliche Regenwürmer, die wir unserem Kleinen nach und nach in den Rachen, nein, Schnabel warfen. Und siehe da, er wurde munterer! Irgendwann begann er, von selbst das Schnäbelchen aufzusperren und Nachschub zu begehren. Am nächsten Tag hüpfte er gar durch Papagenas Zimmer. Geschafft!
Beruhigt trat ich am Sonntag die Heimreise an, da ich unseren Schützling in so guter Obhut und auf dem deutlichen Wege der Besserung wußte.
Wie es weiterging, erfuhr ich telefonisch von Papagena: Als er ordentlich gepäppelt war, wurde er einem Ziehgroßvater übergeben, bei dem er eines Tages durch ein offenes Fenster in die Freiheit entfleuchte.
Nun wißt ihr, weshalb Atemschutzmasken auf Baustellen so wichtig sind!

Gerhild Drescher

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2 comments so far

  1. carsten on

    Schöne Geschichte!

  2. katja on

    beinahe zum heulen…


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