Drückeberger und Simulanten…

Man mag es nicht für möglich halten, aber auch in diesem zünftigen Superheldenkostüm ist man nicht vor allen Übeln der Welt verschont. Zumindest wollte mir dies wohl mein Körper mitteilen, als er mich kurzerhand ob einer fiesen Nebenhöhlenentzündung ans Krankenbett band.

Aber als ich mit mir selber ausgehandelt hatte, dass dies doch nun wirklich nur ein Krankheitsscharmützel sein konnte und ich es überleben werde, raffte ich mich auf, tauschte mein wallendes Nachtgewand gegen meine Kluft und testete aus, wie sich dieses Sitzen doch gleich anfühlte. Nicht gut, war das Ergebnis dieses Testlaufs. Allerdings war die Entscheidung die Richtige, denn wenige Augenblicke später besuchte mich die oberste Heeresleitung mit charmanten Anhang, um mir Genesungswünsche zu überbringen und mich mit Medikamenten zu versorgen. Natürlich rein pflanzlich! Als man mich dann mit den Worten: „Dick und Rund sollst Du werden!“, gleich zwei Mal mit Abendbrot bedachte und ich außerdem eingeladen wurde, doch in Wolldecken gewickelt im Liegestuhl auf der Baustelle ein quasi unverzichtbarer Teil der Baustelle darzustellen, konnte ich wohl schlecht umhin, mich heute wieder am Enno sehen zu lassen.
Was ich dort erblicken durfte, ließ mich fast versöhnlich auf meine Krankenpause blicken.
Ich schlich mich ganz vorsichtig durch die Werkstatt, um Papagena (in bester Laune) in einer, trotz stattlichen Baustellengewusels, strukturierten und für Burgverhältnisse sehr aufgeräumten Werkstatt zu besuchen.
Da traute ich mich doch glatt weiter vor und sah, daß sich unser Schlosser an der Esse schon fleißig daran machte, Türbänder zu schmieden und das sogar mit Bauhelfern an seiner Seite.
Na, da schritt ich doch zuversichtlich weiter Richtung Enno. Die Holzschnitzbaustelle war, ebenfalls aus Krankheitsgründen, verwaist, dafür hat sich in der Tischlerei aber schon so einiges getan. Die Tür war schon einmal probehalber zusammengesteckt, die Verbindungen passten, die Füllung wurden grade noch verleimt oder schon geschliffen und die Stimmung war gut. Aber was vor allem anderen auffiel war, daß man nicht mehr von einen Ende des Ennos an das andere Ende schauen konnte. Die ersten Reetwände waren komplett gestellt und der Unterputz im Erdgeschoss lag in den letzten Zügen. Jetzt wirkt das ganze Gebäude auch gar nicht mehr so groß – und verstecken kann man sich auch.
Bei den Steinmetzen erschloß sich nun auch für mich, von welchen Mauersteinen nun schon seit Montag gesprochen wurde und sie treten mit dem „Metzenbarometer“ zu dem tradierten Polierbarometer in Konkurrenz.
Im Obergeschoss waren Lattung und Sparschalung, selbstverständlich mit Lehmputz, fast komplett an der Wand.
„Gude Laune“ prangt in neonfarbenen Lettern von einem Holzabschnitt, wobei es viel mehr Feststellung als Aufruf zu sein scheint.
Alles in allem eine ganz beeindruckende Veränderung der Gegebenheiten und dabei bin ich doch nur mal kurz krank gewesen…

Lis

zu den → Fotos

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3 comments so far

  1. rosé on

    Ohjeh Lis, da hoffe ich aber, daß Du nun wieder richtig anpacken kannst, …nicht daß am Ende noch die kostbaren Bücher auf dieser Lehmbaustelle versiffen!

    • tolu on

      In Verbindung mit einem Päckchen Kleister eignet sich wertvolle Literatur hervorragend, um einen Holzständerbau winddicht zu bekommen… :-p

  2. camel on

    mensch mutter! da lässt man dich nur für ganz kurz aus den augen und schwups, packen dich diese fiesen höhlen.
    werd bloß schnell gesund!
    mutter


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