Von egalitären Pinseln und langsamen Sternschnuppen

Fahrtenabschluss – das bedeutet im waldjugendlichen Fachjargon normalerweise: sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, das Witzenhausener Stadtfest stürmen und den Zeltplatz bis in zum Morgengrauen zu beschallen. Aber Traditionen sind dazu da, gebrochen und neu geschaffen zu werden. Bereits im Spätsommer 2010 hatten sich einige Waldläufer dazu entschieden, das Wochenende mit Arbeit statt Gammeln zu füllen.
2011 wurde auf diesen verheißungsvollen Anfang einer neuen Tradition aufgebaut, der Fahrtenabschluss sollte deshalb im Schatten des Ennos begangen werden. Im Gegensatz zum restlichen Sommer schien das Wetter an diesem Wochenende ein Einsehen zu haben, der Freitagabend, an dem ungefähr dreißig Waldläufer nach und nach auf dem Zeltplatz der Burg eintrudelten, verhieß mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen einen warmen Samstag. Neben den alten Hasen des Fahrtenabschlusses, die es schon seit Jahren am ersten Septemberwochenende auf die Burg verschlägt, trauten sich schönerweise auch jüngere Exemplare der Gattung homo waldjugendsensus auf den Burgberg, sodass die etwa dreißig Mann und Frau starke Gruppe bunt gemischt war.
Nach einer lauschigen Nacht stand am nächsten Morgen der Großteil halbwegs pünktlich und wach parat, um von der Bauleitung entsprechende Anweisungen zu empfangen.Neben kleineren Arbeiten wie dem Zuschütten von einem Loch voller Kabeln und Leitungen waren die beiden Hauptprojekte des Tages einerseits das Pflastern vor dem Enno, um dem Ganzen einen mediterranen Touch zu geben, anderseits das Verputzen der Wände im Inneren mit ökologisch sehr wertvollem Lehm-Stroh-Putz. Als ungeschulte Kräfte stellte uns das Verputzen vor die Aufgabe: „Wie bekomme ich den Putz an die Wand, ohne mich komplett von oben bis unten selbst zu verputzen?“. Gefahrenquellen lauerten nämlich beim Anfeuchten der bereits verputzen Fläche, der nasse Pinsel war egalitär dem Objekt gegenüber  und machte vorbehaltlos Streicher und Wand gleichermaßen nass. Auch der Lehmputz, der an die Wand geschmissen werden sollte, landete oftmals überall da, wo er am wenigsten gebraucht wurde, auf Brillen, in Ohren und auf dem Boden. Doch nach einer Eingewöhnungsphase und dem Prinzip Trial-and-Error kam etwas Routine in die Arbeit, wir arbeiteten  immer sauberer. Das Verpflastern dagegen verlangte den Waldläufern auf der anderen Baustelle einen Schuss Kreativität, einiges an Muskelkraft beim Abklopfen der Steine und ganz viel Schweiß ob der brennenden Sonne ab. Das Ergebnis war aber die Mühe sehr wert. Unterbrochen von Mittagessen und ausgedehntem Kaffeetrinken und Eisverköstigung ging es bis in den frühen Abend voran. Den Abschluss bildete eine Lehmsäuberungsaktion, bei der Mensch und Maschine porentief rein gewaschen wurden.
Das Sahnehäubchen aber war der obligatorische Besuch der Sauna respektive Dusche, der den Arbeitstag duftend und dampfend abschloss. Im Feuerschein fanden sich im Laufe des Abends wieder alle zu Tschai und Knabbergelöt ein, wie üblich erklangen Klampfenspiel und Gesang bis weit über Mitternacht hinaus. Der Himmel war wie am Abend zuvor sternenklar, und die ein oder andere freute sich, äußerst langsame Sternschnuppen zu sehen. Satelliten, die alten Blender! Als es in der Früh zu regnen begann, mussten einige, die dort eingeschlafen waren, wo sie den letzten Schluck getan hatten, eilends im Rohbau Unterschlupf suchen und hatten dementsprechend eine unruhige Nacht. Der Morgen war von verstreutem Aufstehen, Frühstücken und Abreisen geprägt, unter Zusicherungen, sich beim Forsteinsatz bald wiederzusehen und weiter am Enno zu arbeiten.

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3 comments so far

  1. Hansi on

    „Filed under: Fotoalbum, Tagebuch“

    Schöner Bericht aber wo sind denn die Fotos? 😉

  2. derdrittering on

    Leider wurden mir nur 2 Fotos übermittelt 😦
    Carsten

  3. Hansi on

    juhu fotos^^

    danke an die fleißigen blogbetreuer!


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