Zivi Osama blickt zurück

6 Uhr morgens (oder so etwa): Kindergeschreie und Gekreische vom Zimmer nebenan. „Steh auf“ rufe ich mir zu „Ab zum Dienst“. Die Routine greift: Waschen, Anziehen, kurzes Frühstück und los. Aus meinem Fenster bemerke ich das Morgenlicht, wie es draussen schon den Minigolfplatz erreicht. Ich bin „Heimschläfer“ und wohne mit meiner Schwester und ihrem 15-Monate-nicht-so-alten Sohn in Bad Sooden-Allendorf.  Nach zwei Monaten Praktikum am Enno-Narten-Bau bin ich nun seit Oktober im Rang eines priviligierten Kriegsdienstverweigerers auf der Burg Ludwigstein tätig. Ich bin erst 24 Jahre alt und schon am das Ende der Nahrungskette angekommen.

Doch ich will nicht alles schwarz malen. Ich habe mich sehr gefreut, mein erstes Praktikum auf  einer Baustelle absolvieren zu können und alle Vorgesetzten, wie auch die Ehrenamtlichen, haben mir diese zwei Monate sehr leicht gemacht. Ein starker Rückhalt war auch die Burgküche, denn der Kuchen zur täglichen Kaffeepause war stets sehr lecker.

Am meisten Spaß hatte ich beim Bau von Schalungen, denn es ist ein tolles Gefühl, wenn der Beton gegossen und abgehärtet ist und nach Entfernung der Schalung plötzlich die Streifenfundamente vor dir liegen. Es ist einfach ein sichtbarer Fortschritt. Am schlimmsten war der Tag, an dem ich einen kompletten Betonbalken über Kopf abflexen durfte. Komplett ausgerüstet mit Schutzbrille, Atemmaske, Sicherheitshandschuhen und „Mickey Mouse-Hörschutz“ hätte mir eigentlich nichts mehr passieren können. Wäre da nicht der fehlende Haarschutz gewesen. Betonstaub lässt sich, wie ich am Abend feststellen musste, nicht so leicht rauswaschen.

8 Wochen lang, 5 Tage die Woche, von 9-18 Uhr war ich im Keller tätig und habe gemauert, geschalt, Bauplanmessungen überprüft, nochmals geschalt, betoniert und vieles mehr. Die Schufterei in diesem Bereich des Gebäudes sieht man später leider nicht mehr. Um so ärgerlicher war es, dass ein paar Wochen nach meinem Praktikumsschluss innerhalb von 3 Tagen ein komplettes, zwei Stockwerke hohes Holzhaus darauf errichtet wurde.

Als Zivi bin ich zwar immer noch an der gleichen Arbeitsstelle, aber doch irgendwie auf der anderen Seite. Ab und zu esse ich mit der Baugruppe zusammen am Mittagstisch oder treffe sie beim Frühstück. Ich wäre immer willkommen auf der Baustelle, so heisst es. Doch bis jetzt fiel es mir schwer, meine Freizeit nach den Zivildiensttagen zu opfern. Aber ich verfolge den Fortschritt des Ennos sehr gerne mit und kann mir auch gut vorstellen, bei einer „Großaktion“ wieder einmal mitzumachen. Das Ganze ist ja auch ein bisschen zu „meiner Burg“ geworden. Die Burg Ludwigstein ist eine ganz andere Welt, eine Welt für sich. Vor allem kann man hier auch…oh Moment, ich vibriere…„Zivi Osama – Hallo?”…

Osama

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