7 ½ Stunden Lehm in 376 Worten

„Du hast den Sonnenschein mitgebracht!“ und „Wir haben eine Putzmaschine!“ sind sehr motivierende Aussagen, besonders wenn man sie von Papagena zu hören bekommt, die einen mit Zippo vom Bahnhof Witzenhausen abholt.
Tatsächlich sieht man noch die letzten Nebelfetzen um die Burg wabern. Dann ertönt ein unanständiger Lärm und ich erinnere mich an das erste Strohwochenende, wo wir in der Halle Dachelemente gestopft haben. Da ist sie auch dabeigewesen, die Putzmaschine.
Als erstes darf ich ihre Hinterlassenschaften von Stellen entfernen, wo diese nichts zu suchen haben. Schließlich wollen wir keine Kuhstallästhetik an Holzuntersichten und Dachbalken haben. Dann werden Quadratmeter gemacht: Kafe (mit einem breiten Grinsen im Gesicht) „rüsselt vor“, während einer den schweren Schlauch halten muss, der nächste geht mit dem Richtscheit über den frischen Putz und dann darf der Glattziehtrupp ran. So geht das übrigens das ganze Wochenende: in Windeseile wird ein Gerüst aus Böcken und Bohlen errichtet, dann kommt der Rüssel, dann das Glätten und dann wandert das Gerüst an die nächste Stelle: von oben nach unten, von draußen nach drinnen und wieder zurück. Kafe hat ein Ziel vor Augen, und das lautet, den Enno von außen und innen fertig zu verputzen, denn Sonntag muss die Putzmaschine, eine freundliche Leihgabe der Firma Wanderer, zurück nach Witzenhausen. Ob wir das schaffen?
Zumindest schaffen wir einiges am Freitag. Papagena schaufelt unermüdlich Lehm in die Maschine, und die Jungs (außer Kafe auch Luzi, Dirk und Michel) reißen sich um den Rüssel, als wäre das Ding ein Spielzeug für große Kinder.
Nach dem Abendessen geht es direkt weiter im Innenraum: Papagena und ich kleben die Fenster ab, Meike und Alpi glätten und erzählen frische Sardinienfahrtenabenteuer und Resi glättet ebenfalls  und weiß gut Bescheid, so dass man sie immer fragen kann.
Um 22 Uhr ist dann Feierabend, und der lehmbekleckerte Bautrupp wird Zeuge folgender Szene:
Kafe: „Meike, du hast doch mal ein Pferd gehabt!“
Meike: „Ja…?“
Kafe (ihr eine Schrubberbürste reichend): „ Dann bürste mich mal.“
Nachdem jeder irgendwo in der Burg eine Dusche gefunden und benutzt hat, finden wir uns alle im Brunnenhaus am warmen Ofen ein. Noch ein bisschen Tee und zwei, drei Lieder, dann siegt die Müdigkeit. Schließlich geht es morgen früh raus. „Achtuhrdreißig auf der Baustelle. OHNE KAFFETASSEN.“

Katja

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