Wie man eine Tür baut – und andere Geschichten

Am Freitag meinte kafe zu mir, dass ich stolz auf mich sein könnte. Als ich ihn verständnislos anblickte, sagte er, ich hätte den letzten Strohballen eingebaut. Ach so. Die Einzigartigkeit dieses Moments war mir nicht bewusst, sonst hätte ich das Pieksen des Strohs mehr genossen. Und die Niesanfälle. Und die Schmerzen in den Fingern vom Pressengarn verknoten und Stroh-mit-dem-Zollstock-in-Ritzen-stopfen. Stattdessen habe ich ganz unromantisch zugesehen, dass ich fertig werde („Ist nicht bald Kaffeezeit?“). Ob es Marc und Marina auch so ging? Die haben nämlich ebendiese letzten Strohballen geschlämmt.
Ist auch egal. So lange, wie wir Erbauer den Enno besuchen werden, werden wir uns auch daran erinnern, wo wir überall unsere Handabrücke hinterlassen haben und wo wir Beton und Steine und Stroh und Holz und Lehm verbaut haben. Und jedes Teil ist wichtig, sei es das erste oder das letzte.

Aber was war denn am Wochenende los? Nun, wir waren eine schnuckelige kleine Bautruppe von etwas über zehn Leuten und haben allerhand geschafft. Ich hab nicht alles mitgekriegt, weil ich so in Anspruch genommen war, also möge man mir verzeihen, wenn ich etwas auslasse.
Zunächst ging es in den Bädern ein gutes Stück voran. Dort waren alpi, Gerhild, Kanu-Dirk, Ente und Florian mit Acrylfugen ziehen, grundieren und streichen beschäftigt. Dabei hat Dirk vorübergehend einen neuen Vorvornamen bekommen. Und irgendwas muss in der Grundierung gewesen sein, denn es kam (zumindest bei einigen) zu einer höchst albernen Farbschlacht (was tun wir nicht alles, um die Bauhelfer bei Laune zu halten…).
Marc und Herr Fritz haben eine Lehmwand erneuert, weil sie Schwundrisse hatte.
Matti und Thomas waren im Obergeschoss mit Gipskartonplatten an der Decke beschäftigt, und natürlich mit irgendwelchen Strippen.
Was Cord gemacht hat, weiß ich gar nicht, aber er war da und hat bestimmt etwas gemacht.
Und natürlich waren kafe, Meike und Gunthard dabei und wichtig und ratgebend und kritisch und ermutigend und frech.
Da Thiemo sich weigerte, irgendwelche Schleifarbeiten anzunehmen, bekamen wir einen sehr schönen Auftrag, nämlich noch zwei Türen zu bauen für das Lager der Sommerküche. Eine hatte kafe ja schon angefertigt, und ich hatte sie mit ihm eingebaut, also wusste ich einigermaßen Bescheid. Das ging (ganz kurz) folgendermaßen: OSB-Platte passend zuschneiden, auf beide Längsseiten je eine Leiste schrauben, Platz lassen für den Schlosskasten, Keile ganz unten auf die Leisten nageln, Lärchenbretter zählen und ausmessen und schneiden und überlappend festschrauben. Tür in den Rahmen stellen, ausrichten, festkeilen, Türbänder anschrauben. Wenn alles geklappt hat, sieht die Tür dann aus wie die Wände links und rechts davon und geht auf und zu. Das, so möchte ich in aller Bescheidenheit hinzufügen, war bei uns der Fall.
Am Abend hielt Susanne die Ringvorlesung über einen tagebuchschreibenden Burgbewohner vor der jugendbewegten Zeit der Burg. Der war mir sympathisch. Ich schreibe auch gerne.
Am Sonntag kamen wir mit Zahnbürsten zur Baustelle, da ja Kaffeetassen nicht erlaubt sind.
Und nach einem fleißigen Vormittag ließen einige, die sich bei so strahlendem Wetter von der Burg nicht trennen mochten, den Tag mit Müßiggang und Gesang im Burggarten ausklingen.

Katja.

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1 comment so far

  1. Katja on

    schönes foto!
    für papagena: große sternmiere, stellaria holostea


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